dass Schule eher ein Ort des kausal-linearen Ursache-Wirkung-Denkens und darauf aufbauender Bewertungsroutinen ist und sich damit grundsätzlich von der prozessorientierten Arbeits- und Denkweise in Systemischer Supervision, Beratung und Therapie unterscheidet. Dieser scheinbare Gegensatz schlägt sich nach meiner Erfahrung unmittelbar in Supervisionsprozessen nieder.
So kann z.B. die Frage, was denn zu tun ist, damit ein Schüler weniger den Unterricht stört in Supervision zunächst nicht unmittelbar beantwortet werden. Als Supervisor sorge ich dafür, dass die SupervisandInnen durch Perspektivwechsel, Fragen nach persönlichen Befindlichkeiten in den problematischen Situationen usw. einen veränderten Blick auf das sogenannte Problem bekommen und den Sinn des Verhaltens ergründen. Das Schwierige für die Lehrerinnen und Lehrer ist dann die Veränderung ihrer bisherigen Bewertungskriterien. Das „Schlechte“ könnte einen für den Schüler positiven Effekt haben. Fragen nach den Wechselwirkungen erzeugen eine Komplexität in der Situation, die zunächst ein Gefühl noch größerer Handlungsunfähigkeit zur Folge hat. Dieser Prozess ist aber notwendig, um neue Handlungsoptionen zu generieren.

Roland Kubitza